Sprachregelung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit steht im Text z.B. "jeder Teilnehmer ist…" und nicht jede(r) Teilnehmer(in). Der Artikel dient als allgemeiner Gattungsbegriff und schließt weibliche Personen mit ein.
Satzung als PDF
Der BV INSO - Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue Chancen
e.V.ist die bundesweite Interessenvertretung der Menschen in Insolvenz
in Deutschland. Der Verband spricht als „Stimme der Betroffenen“ für mehr
als 900 000 Menschen, die derzeit von Insolvenz betroffen sind.
Der Verband wurde in 2009 in Köln gegründet und ist als gemeinnütziger Verein eingetragen (AG Köln VR 16101).
Er hat drei Arbeitsschwerpunkte:
1. Hilfe zur Insolvenzvermeidung
2. Unterstützung der Betroffenen während der Insolvenz und
3. Hilfe beim Neustart.
Insolvenz ist ein Tabuthema in Deutschland, wenn es um die eigene Betroffenheit geht. Damit verbunden sind Ängste, Scham und
Schuldgefühle, viele fühlen sich in der Gesellschaft stigmatisiert. Das Gefühl, gescheitert zu sein, führt oft zu Rückzug,
Kompensation oder Depressionen. In vielen Fällen haben UnternehmerInnen Suizidgedanken, wie an einem aktuellen und prominenten
Beispiel deutlich wird:
In einer persönlichen Erklärung teilte die Familie mit: „Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit
verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer
gebrochen, und er hat sein Leben beendet.“ Adolf Merkle habe für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet, erklärten die Angehörigen.
„Reden hilft“ stellt Attila von Unruh fest, der selber als Unternehmer Insolvenz in 2005 anmelden musste, nachdem ein großer
Kunde zahlungsunfähig wurde „Von Insolvenz betroffene Menschen benötigen einen geschützten Raum, in dem sie offen über ihre
emotionale Situation reden können und sich mit Gleichgesinnten austauschen können.“
Im Herbst 2007 gründete er in Köln den ersten Gesprächskreis "Anonyme Insolvenzler". Über das Internet wurde das Angebot sehr
schnell bei Betroffenen bekannt, weitere Gesprächskreise entstanden im Namen der Anonymen Insolvenzler. Inzwischen ist es die
größte deutsche Selbsthilfegruppe von Menschen, die von Insolvenz betroffen sind. Regionalgruppen in Köln, Hamburg, München,
Berlin, Düsseldorf, Hannover, Dortmund, Frankfurt und Wien (Start 7. Juli 2010) bieten Betroffenen die Möglichkeit, gemeinsam
in geschütztem Rahmen offen über die Themen zu reden, die sie emotional berühren. Die Kraft der Gruppe macht Mut und eröffnet
neue Perspektiven. Die Initiative ist politisch, wirtschaftlich und konfessionell unabhängig, es wird keine Rechts- oder
Steuerberatung angeboten. Alle Angebote sind kostenlos und richten sich an Verbraucher und Unternehmer.
Um die organisatorische Arbeit zu koordinieren, wurde in 2009 der BV INSO - Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue
Chancen e.V. als gemeinnütziger Verein gegründet. Der BV INSO ist Träger der bundesweiten Initiative ‚Gesprächskreis Anonyme
Insolvenzler’ und entwickelt Projekte zur Unterstützung von Betroffenen.
Im Verband arbeiten kompetente und engagierte Menschen ehrenamtlich zusammen. Unter den Ansprechpartnern beim BV INSO befinden
sich z.B. Unternehmer, Steuerberater, Rechtsanwälte, Medienexperten, Existenzgründungsberater, Wirtschaftsprüfer, Ärzte und
Therapeuten. Viele von ihnen sind durch widrige Umstände in die Insolvenz geraten (Krankheit, falsche Anlagenberatung,
Scheidung, Immobilienspekulation). Sie erfahren Unterstützung durch den Verband und geben gerne Unterstützung weiter.
Welche Gruppe von „Betroffenen“ kommt zu den Gesprächskreisen Anonyme Insolvenzler und engagiert sich im BV INSO?
Die Unterschiedlichkeit der Menschen in Insolvenz ist sehr groß - in der Öffentlichkeit herrscht ein negatives, stereotypisches Bild von
„Betroffenen“ vor (Konsumschuldner, können nicht mit Geld umgehen, selber Schuld > Schulden = Schuld).
In der Wahrnehmung von Menschen, die mit „Insolvenzlern“ zu tun haben – z.B. Schuldnerberatern, Insolvenzverwaltern,
Politikern und Richtern überwiegt häufig das Bild von Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben, Konsumschuldner sind, sich
strafbar gemacht haben und nicht als Ansprechpartner im Verfahren geeignet sind.
Zu den Gesprächskreisen kommen Menschen, die erkannt haben, dass sie ein Problem haben und die versuchen, eine Lösung zu
finden. Damit ist der entscheidende Schritt getan, bereit zu sein, sich mit seiner persönlichen Situation auseinanderzusetzen
und Hilfe zu erfahren. Häufig fühlen sich diese Menschen von der finanziellen Krise völlig überfordert und befinden sich in
einer Art Schockzustand und Lähmung. Über die Gesprächskreise können sie Unterstützung bekommen, wieder handlungsfähig zu
werden.
Im BV INSO engagieren sich Menschen, die versuchen, konstruktiv mit ihrer Situation in oder vor der Insolvenz umzugehen und
bereit sind, aus ihren Fehlern zu lernen und Verantwortung für ihre Situation zu übernehmen. Es sind kaum Menschen mit
Konsumschulden, sondern i.d.R. viele „Unternehmertypen“, die in ihrem Leben Dinge bewegt haben. Es ist kein Club von „Opfern“,
die dazu neigen, die Banken, Politik und Gesellschaft für ihre Situation verantwortlich machen, sondern Menschen, die ihr
Leben lang Steuern bezahlt haben, Arbeitsplätze geschaffen haben und Teil der Gesellschaft waren – bis zum Zeitpunkt ihrer
Insolvenz, in der sie Ausgrenzung und Entmündigung erfahren.
„Ich fordere die Verantwortlichen auf, ihre eigenen Klischees und Vorurteile kritisch zu überprüfen und ins Blickfeld zu
nehmen, dass von Insolvenz betroffene Menschen häufig ein großes Potential in sich bergen und ihre Erfahrungen zum Wohle der
Gemeinschaft einbringen können. Es geht darum, Betroffene zu Beteiligte zu machen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die
brachliegenden Potentiale zu nutzen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen immer die Menschen.“ erklärt Attila v. Unruh,
Vorsitzender des BV INSO - Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue Chancen e.V.
|